Ausstellung

Jüdische Gemeinde in Friesen

So lebten Juden bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Friesen

Ein Rundgang durch die Straßen Friesens zeigt die ehemaligen Wohnhäuser der jüdischen Gemeinde.

Hausnummer 49a/49

Heute: Moschaweg 1 und 3

Die beiden Anwesen Moschaweg 1 und Moschaweg 3 bildeten ursprünglich zwei Teile eines Doppelhauses, das Mitte des 19. Jahrhunderts von insgesamt vier Familien bewohnt wurde. Die linke Seite befand sich im Besitz von Isaak Rauh und David Bachmann. Eigentümer des rechten Teils waren der Webermeister Salomon Roßmann und seine Ehefrau Sophie sowie die ledige Karolina Schmidt.
Lange Zeit wurde der Hausbesitz für Juden in Friesen stark reguliert. Von Seiten der fürstbischöflichen Regierung in Bamberg war insgesamt nur der Besitz von sieben Häusern erlaubt. Mit dem Anwachsen der Gemeinde kam es deshalb zu einer akuten Wohnungsnot. Durch An- und Ausbauten, die sich an den beiden Gebäuden noch gut erkennen lassen, wurde versucht, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Als mit dem Übergang an Bayern die Bestimmungen gelockert wurden, durften die Juden weitere Häuser erwerben. Um 1850 waren 23 Häuser im Ort im Besitz jüdischer Familien.

Der Moschaweg als Straßenbezeichnung ist vermutlich einmalig; es wurde bislang kein weiterer Moschaweg gefunden. Der Begriff könnte mit dem hebräischen Begriff „Moschaw“, jiddisch „Moschef“ bzw. „Moschew“ zusammenhängen und einen Hinweis auf die jüdische Ansiedlung innerhalb des Gesamtdorfes geben. Hier waren alle Häuser ausschließlich von Juden bewohnt.

Die Einheimischen haben diesen Weg auch deutlich als jüdisches Zentrum empfunden und daher besonders gemieden. Um diese Judengasse nicht betreten zu müssen und im Gang zum Gottesdienst nicht gestört zu werden, hatten sie sich einen eigenen Weg zur katholischen Kirche gebaut. Das war die große Kirchentreppe mit etwa 70 Stufen, die heute noch als Kirchweg benutzt wird.

Audioguide